Ort: Wien, Köln, Weimar
Herausgeber: Böhlau Verlag
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-412-50565-3

Im Kuttenberger Dekret verlieh König Wenzel IV. entgegen der Prager Universitätsverfassung den drei deutschsprachigen Universitätsnationen nunmehr eine Stimme in der Universitätsversammlung, der böhmischen Nation dagegen drei. Die nationale Geschichtsschreibung hat daher seit Mitte des 19. Jahrhunderts dieses Dekret zu einem Höhepunkt ständiger Spannungen zwischen Deutschen und Böhmen stilisiert, auf den sie die deutsch-tschechischen Gegensätze des 19./20. Jahrhunderts zurückprojizieren konnte. In seiner Analyse weist der Autor dagegen nach, dass die Beziehung der Prager Universitätsnationen bis Anfang des 15. Jahrhunderts vom Bemühen um Eintracht geprägt war. Zudem behandelt er die Ursachen und Folgen des Dekrets sowie das allmähliche Eindringen nationaler Aspekte in die philosophisch-theologischen Konflikte zwischen der Kirchenreformpartei und ihren Gegnern an der Universität. Der Autor kommt u. a. zu dem Schluss, dass das Dekret die böhmischen Magister nur vordergründig zu Siegern machte, in Wirklichkeit aber zum Niedergang der Prager Universität führte sowie zum Gelingen der Leipziger Neugründung, für die dieses Buch ebenfalls interessante Aufschlüsse bietet.

Ort: Kraków, Leipzig, Rzeszów, Warszawa
Herausgeber: Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), Leipzig Instytut Archeologii i Etnologii Polskiej Akademii Nauk, Warszawa Instytut Archeologii
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-96023-076-2
ISSN: 155-4

This book presents research papers on the subject of the hillfort at Gródek upon the Bug River, on Poland’s eastern border, identified at present as the remains of the early medieval city of Volhyn‘, one of the major sites on the Polish-Rus’ borderland in the 10th – 13th centuries.
The present book discusses the results of archaeological fieldworks made at Gródek upon the Bug River in the past (1952-1955, partly also in 1983) and of the latest geophysical surveys, geography and geology analyses, and technological studies (textile analysis). Some attention is paid to human bone analyses. A separate study discusses the written and cartographic sources for the history of Gródek – Volhyn‘, another reports on the coin finds from Gródek. Published for the first time in English next to the research papers is a report written by Paweł Jasienica (born Leon Lech Beynar), Polish historian, journalist, essayist, on the archaeological fieldwork of 1952-1955.
Individual analyses are the result of an international co-operation of researchers from Poland, Germany, Russia, Serbia and Ukraine pursued within two wide scale projects: The Golden Apple of Polish archaeology.

Ort: Wien, Köln, Weimar
Herausgeber: Böhlau Verlag
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-412-50721-3
Open Access

Die Ortsnamen im südlichen Sachsen-Anhalt, in einer Region, die in mittelalterlichen Quellen als Friesenfeld bezeichnet wird, weisen durch das umfangreiche Hersfelder Zehntverzeichnis eine außergewöhnlich alte schriftliche Überlieferung auf. Aber bei weitem nicht alle heute existierenden Orte dieser Region sind in ihm verzeichnet. Der Kontrast zwischen den Namen des Zehntverzeichnisses und dem gesamten Ortsnameninventar sind bislang nur in geringem Maße im Fokus der Forschung. Erst jetzt wird im Rahmen einer Analyse der toponymischen Landschaft nach Namentypen geordnet dargelegt, inwieweit sich die Namen im Zehntverzeichnis durch Besonderheiten auszeichnen. Anknüpfend daran wird der Frage nachgegangen, ob diese Quelle die gesamte im 9. Jahrhundert existierende Siedlungslandschaft manifestiert oder nur einen Ausschnitt aus ihr wiedergibt. Abschließend werden die sich hieraus ergebenden Implikationen für das Verständnis von frühmittelalterlicher Herrschaft diskutiert.

Ort: Wien, Köln, Weimar
Herausgeber: Böhlau Verlag
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-412-50757-2
Open Access

Im Zuge von Weltgeschichtsschreibung, Transnationalisierungsforschung und "neuen" Area Studies ist die im deutschsprachigen Raum vertretene historische Teildisziplin Osteuropäische Geschichte zum einen unter Legitimationszwang geraten, zum anderen aber von eben diesen global orientierten Forschungsrichtungen als paradigmatischer Prototyp entdeckt worden. Im Kontext von Bezugsrahmen wie "Eurasien" und "zweite Welt", ja selbst "Europa" oder "nördliche Hemisphäre", ist das Erkenntnispotential der seit hundert Jahren gut etablierten historischen Osteuropaforschung samt ihren Foci auf Ostmitteleuropa, Südosteuropa, Nordosteuropa und den ostslawischen Raum, aber auch auf den Kaukasus und Zentralasien sowie bezüglich der Verflechtung mit anderen Weltregionen, zum einen erkannt wie es zum anderen genutzt wird. Dies gilt nicht zuletzt für die in der besagten Teildisziplin entwickelte Konzeption der Geschichtsregion, welche mittlerweile nicht nur von anderen Europahistorikern, sondern auch von Vertretern weiterer historischer Disziplinen - historische Soziologie, Zivilisationsgeschichtsschreibung, Kunstgeschichtsforschung, Literaturgeschichte, Anthropogeographie u. a. - kreativ adaptiert wird. Der Band belegt sowohl die Sinnhaftigkeit der geschichtsregionalen Konzeption "östliches Europa" (samt ihren Untergliede-rungen) im intraregionalen Kontext als auch deren Konstituierung durch die Interaktion mit angrenzenden historischen Meso-Regionen.