Polnische und deutsche Arbeiter der PAFAWAG feiern die Fertigstellung des 100. Kohlewaggons" (26.1.1946)
Polnische und deutsche Arbeiter der PAFAWAG feiern die Fertigstellung des 100. Kohlewaggons (26.1.1946).

Jahrbücher für Geschichte Osteuropas

Die ökonomischen Folgen der Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg

Die ökonomischen Folgen der Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Ergebnis der Beschlüsse der Konferenzen von Jalta und Potsdam im Jahre 1945 verlor Polen mit ca. 180.000 km2 immerhin ca. 46 % seines Staatsgebietes im Osten, das der Sowjetunion zugeschlagen wurde. Im Westen und Norden erhielt Polen ein 102.000 km2 großes Gebiet, das zuvor zu Deutschland sowie zur Freien Stadt Danzig gehört hatte. Während die mit der Westverschiebung des polnischen Staates einhergehenden Zwangsmigrationen relativ gut untersucht worden sind, existieren kaum systematische Forschungen über die wirtschaftlichen Folgen. Das von Uwe Müller gemeinsam mit Yaman Kouli von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf herausgegebene Themenheft beleuchtet wesentliche Aspekte des mit den Veränderungen der territorialen Zugehörigkeit verbundenen ökonomischen Strukturwandels sowie der entsprechenden Integrations- und Desintegrationsprozesse.

Die Artikel decken dabei sowohl die mikroökonomische – anhand der Unternehmensgeschichte der PAFAWAG – als auch die makroökonomische Ebene ab. Letztere umfasst die Analyse der Infrastruktur (Stromnetze) und der Auswirkungen der weitgehend politisch motivierten Veränderungen der agrarischen Betriebsgrößenstrukturen auf die Entwicklung der Landwirtschaft am Beispiel Pommerns.

Das Themenheft bietet zudem einen systematischen Vergleich der quantitativen Produktionspotenziale in den verlorenen Ost- und den »wiedergewonnenen« Westgebieten. Es wird deutlich, dass die Volksrepublik Polen trotz der Territorialverluste und der Kriegszerstörungen einen Zuwachs an Produktionskapazitäten verzeichnete, was jedoch in der Nachkriegszeit nicht für ein entsprechendes Wachstum und eine Modernisierung der Volkswirtschaft genutzt werden konnte. Der einleitende Aufsatz systematisiert und gewichtet die Gründe für diesen Misserfolg. Neben dem mit der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung verbundenen Verlust an Humankapital und der Installierung eines planwirtschaftlichen Wirtschaftssystems wirkten sich auch massive ökonomische und soziale Desintegrationsprozesse negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung Nachkriegspolens aus. 

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Abteilung Verflechtung und Globalisierung