Wirtschaftsbeziehungen

SFB-Teilprojekt: Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem östlichen Europa und der »Dritten Welt«

Tanzanier vor dem RGW-Gebäude, 1971.
Mitglieder einer tanzanischen Delegation vorm RGW-Gebäude, 1971.

Im SFB 1199 »Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen« erforschen Wissenschaftler*innen der Universität Leipzig, des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) Leipzig, der Technischen Universität Dresden und des GWZO mit unterschiedlichen disziplinären Hintergründen, welche Auswirkungen tendenziell zunehmende und sich verändernde globale Verflechtungen auf die Wahrnehmung und Gestaltung, die Hierarchien und Konkurrenzen unterschiedlichster Raumformate hat. Die Rekonstruktion imaginierter und die Analyse realisierter Regionalismen und Nationalstaaten, Warenketten und Infrastrukturprojekten zeigt, dass »die Globalisierung« eigentlich das Produkt von Globalisierungsprojekten diverser Akteur*innen und sozialer Gruppen war und ist.

 

Der seit 2016 bestehende SFB ist nach erfolgreicher Evaluierung 2020 in eine zweite Förderperiode gestartet. Erneut untersucht das von Frank Hadler, Uwe Müller und Stefan Troebst am GWZO geleitete Teilprojekt B03 die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den sozialistischen Ländern des östlichen Europa und den im Zuge der Dekolonisierung entstandenen Staaten des »Globalen Südens« während des Kalten Krieges. Nachdem Anne-Kristin Hartmetz, Bence Kocsev und Jan Zofka in der ersten Phase Fallstudien über Ghanas Beziehungen zur Sowjetunion, die Bemühungen um eine neue Weltwirtschaftsordnung (NIEO) sowie den Baumwollhandel zwischen der »zweiten« und der »dritten« Welt erstellten, stehen nun sozialistische Entwicklungsmodelle für die Dritte Welt im Fokus.

Max Trecker untersucht die Veränderungen von sozialistischer Außenwirtschaftstheorie und -politik unter dem Einfluss sich intensivierender wirtschaftlicher Verflechtungen der RGW-Staaten mit dem »Westen« und dem globalen Süden in den 1960er und 1970er Jahren. 

Aurelia Ohlendorf analysiert am Beispiel sowjetischer Staudammbauten in verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas, wie zentrale Projekte der Entwicklungspolitik geplant und durchgeführt sowie an unterschiedliche regionale und sich verändernde globale Rahmenbedingungen angepasst wurden.
 
In beiden Teilstudien stehen transnational agierende Akteure aus dem östlichen Europa im Mittelpunkt, wobei auch nach den Rückwirkungen der in der »dritten Welt« gesammelten Erfahrungen auf die Perzeption und die Gestaltung des sozialistischen Entwicklungsweges im eigenen Land gefragt wird.

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Abteilung Verflechtung und Globalisierung