Thema

Vormoderne Migrationsgesellschaft

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Das Projekt untersucht die enge Verflechtung von Migrationsprozessen und gesellschaftlicher Entwicklung am Beispiel einer frühneuzeitlichen Stadtgesellschaft. Es zeichnet die Entwicklung multiethnischen und multikonfessionellen Zusammenlebens jenseits nationaler Antagonismen nach und leistet dabei auch einen Beitrag zu aktuellen Debatten um Migration und Gesellschaft.

Karte von Stadt und Burg Kamieniec Podolski von 1691
Karte von Stadt und Burg Kamieniec Podolski von 1691; Autor: Nicolas de Fer (1646-1720), frz. Kartograph und Graveur,

Migrationsgesellschaft und transkulturelle Verflechtung in einem plural verfassten Stadtraum: Kamjaneć-Podilśkyj im 16./17. Jahrhundert

Kamjaneć in Podolien war ein überregionales Handelszentrum und zugleich eine bedeutende Grenzfestung im südöstlichen Polen, in direkter Nachbarschaft zum Osmanischen Reich, zum Fürstentum Moldau und zum Krimkhanat. Einzigartig an der Stadt war ihre dreigeteilte Selbstverwaltung mit armenischem, polnischem und ruthenischem Magistrat, welche beispielhaft für die plurale Verfasstheit von Migrationsgesellschaften stand Die Grenzlage der Stadt und häufige bewaffnete Konflikte in der Region erforderten aber auch die Entwicklung eines gesamtstädtischen Bewusstseins gegenüber tatarischen und osmanischen Angreifern.

Die Untersuchung lenkt die Aufmerksamkeit auf die Situativität migrantischer Selbst- und Fremdverortungen in einem multipolaren Akteursfeld und fragt, wie und mit wem Zugehörigkeiten verhandelt, wie Abgrenzungen markiert und implementiert wurden. Diese sind sowohl für die Aushandlung von Hierarchien und Konflikten innerhalb der städtischen Gesellschaft bedeutsam als auch für Bündnisse gegen äußere Bedrohungen. Ein analytischer Zugriff auf trans- und interkulturelle Verflechtungsprozesse wird hier als Schlüssel zum Verständnis gesellschaftlicher Formierungsprozesse genutzt.

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